DIHK – Wettbewerb

„Schüler bauen weltweit Brücken“

Projekt der Deutsch- Slowakischen Begegnungsschule Bratislava
„Leben mit der Mauer – Fall der Mauer“ mit Klasse 5

Entstehung der Projektidee

Die Deutsch-Slowakische Begegnungsschule in Bratislava nahm an der Dominoaktion in Berlin am 9. November 2009 teil mit zwei bemalten Mauersteinen, die vor dem Berliner Reichstag platziert waren. Aus diesem Grund und weil die Schülerinnen und Schüler, die beteiligt waren – Klasse 5 – erst 10 Jahre alt sind, war die Voraussetzung, den komplizierten geschichtlichen Hintergrund und Zusammenhang erlebbar und erfahrbar zu machen und zu gestalten für die Klasse. Was für Gedanken und Gefühle weckt das Leben hinter einer Mauer /der Mauer in uns – wie haben es die Menschen, die hinter der Mauer lebten erfahren? Die 14 Schülerinnen und Schüler der Klasse 5 haben sich in verschiedenen Fächern wie Sport, Kunst, Deutschunterricht intensiv mit dieser Fragestellung auseinandergesetzt und tun dies weiterhin. Aus dem Erleben heraus haben sich dann zentrale Fragestellungen für die Schüler ergeben, auf die sie Antworten gesucht haben. In einem weiteren Schritt kristallisierte sich heraus, dass die Schülerinnen und Schüler sich fokussiert hatten auf die Frage: „Wie war das Leben für die Menschen hinter der Mauer und was hat sich für sie durch den Mauerfall verändert?“ Dieser Fragestellung wollten sie durch Interviews mit beteiligten Personen nachgehen.

Ziele des Projekts:

1. Die zentrale Idee der Klasse war, Menschen einzuladen in die Klasse 5, die Erfahrung mit der Mauer gehabt haben und mit dem Leben und Alltag hinter ihr. Dazu haben sie einen Interview- Fragenkatalog erarbeitet. Die Fragen haben sie unterschiedlichen Personen gestellt, die Antworten aufgearbeitet, präsentiert und die Interviews wiederum zu einem Buch zusammengestellt.

2. Die Auswahl der Interview-Partner war für die Klasse eine entscheidende Angelegenheit: Es sollten Personen sein, die vor und hinter der Mauer gelebt haben - also unterschiedliche Erfahrungen mit der „Mauer“ mitbringen. Zunächst waren die Eltern der DSB in ihrer internationalen Zusammensetzung und Herkunft ideale Interview-Partner.

3. Der dritte Teil war, Menschen, die in der Politik tätig sind zu befragen, wie sie den Mauerbau und Fall der Mauer erlebt haben. Die Klasse 5 im Gespräch und Austausch mit dem deutschen Botschafter in Bratislava, Dr. Hartmann.



Für nähere Informationen, Wettbewerbsflyer sowie Bewerbungsformular, besuchen Sie
"Schüler bauen weltweit Brücken - Endspurt im DIHK-Wettbewerb für Deutsche Auslandsschulen"

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1989 – was passierte in der Slowakei (Tschechoslowakei) – Bratislava

Interwiev

1. Wie haben die Menschen in Bratislava über die stark bewachte Grenze zu Österreich gedacht?
Die Menschen konnten diese Grenze nur mit Genehmigung passieren und so waren sie nicht glücklich über diese stark bewachte Grenze. Man musste bei einer staatlichen Behörde einen Reiseantrag stellen. Der konnte genehmigt oder auch abgelehnt werden. Schwierig wurde es, wenn man Verwandte im Ausland hatte. Dann gab es nur für einen in der Familie die Möglichkeit slow. Kronen in westl. Geld umzutauschen. Deshalb konnten die Leute auch nicht lang im westl. Ausland bleiben.

2. Wollten Sie nicht einfach mal über die Grenze?
Nein, weil ich dann meine Familie hätte zurücklassen müssen. Für unsere Familie wäre dies auch nicht möglich gewesen, denn mein Vater war bei der Polizei und wusste über viele Dinge Bescheid. Ihn hätten sie nicht ausreisen lassen.

3. Konnte man seine Verwandten in Hainburg besuchen – gab es hier eine Regelung?
Nein, auch hier musste ein Antrag gestellt werden.

4. Was haben die Menschen in Bratislava gemacht, damit die Grenze zu Österreich geöffnet wurde?
Die Studenten haben protestiert und viele andere Menschen auch. Sie haben von den Ereignissen in der DDR erfahren über das österr. Fernsehen, das man auch in Bratislava empfangen konnte. Viele haben geholfen, Plakate für die Demonstration zu machen. Alle Hauptplätze in Bratislava waren ständig voll mit Menschen, die demonstriert haben. Allerdings in der Mittelslowakei wusste man davon nichts, weil das slow. Fernsehen darüber nichts berichtet hat. Der Staat wollte auch nicht, dass die gesamte Slowakei protestiert.

5. Wie haben Sie den Fall der Mauer in Bratislava gefeiert – wussten Sie davon – kam das in den Nachrichten?
Vom Fall der Mauer haben wir – wie schon erwähnt – im österr. Fernsehen erfahren, ebenso über die Besetzung der westdt. Botschaft in Prag und dass die DDR–Bürger mit dem Zug in die BRD reisen durften. Das slow. Fernsehen hat darüber nichts berichtet. Aber die Meldungen sind bei den Demonstrationen von Mensch zu Mensch gegangen und es gab auch Flugblätter.

6. Haben Sie geglaubt, dass der Zustand – die offenen Grenze – immer so bleibt?
Wir haben gespürt, dass etwas zu Ende geht und etwas Neues kommt. Aber niemand wusste, wie das aussehen wird.

7. Haben Sie mal an Flucht gedacht?
Nein, weil ich sonst meine Familie hätte hier lassen müssen. Aber ich hatte eine Mitschülerin aus der Grundschule, die mit ihren Eltern über Jugoslawien nach Österreich geflohen ist. Das Leben der Familie war sehr schwer, weil sie zunächst in einem Grenzlager gelebt haben. Aus diesem Grund haben sie sich für eine Rückkehr entschieden.

8. Wie sah die Grenzbefestigung zu Österreich aus – gab es Zäune, Mauern, Soldaten …?
Die Grenzbefestigungen lagen unmittelbar hinter dem Ortsschild von Bratislava. Es gab hohe Zäune mit Stacheldraht, ständig durch Grenzsoldaten bewacht, Wachttürme, Hunde, Minenfelder – und man ging dort nicht hin. Der Grenzübergang in den Westen war Berg.

9. Haben Sie demonstriert für die Öffnung der Grenze?
Ich habe Plakate geklebt.

10. Wie sah das Leben für die Menschen in Bratislava vor 1989 aus – was war gut, was hat ihnen gefehlt?
Das Leben war gut, es wurde für einen gesorgt. Grundnahrungsmittel waren vorhanden, aber es gab eben nicht alles, was es im Westen gab, zu kaufen. Die Mieten waren günstig, manche hatten eigene Häuser, Schulbildung und Ausbildungen waren für viele möglich. Schlecht war, dass wir nicht frei unsere Meinung sagen konnten, es nicht alles gab und man nicht einfach mal über die Grenze konnte.

11. Gab es auch an der Grenze zu Österreich Fluchtversuche und Tote?
Das gab es bestimmt, aber ich kenne niemand und man hat auch nicht darüber gesprochen. Man wollte sich und seine Familie durch solche Gespräche auch nicht in Gefahr bringen.
Weg frei für die neue Zukunft, so fasse ich die Ereignisse zusammen.

Wie Schüler Leben hinter einer Mauer empfinden

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